Haus 1 am Waterlooufer, Berlin.
November 2005 – Januar 2008


farbkörper – klangkörper

nichts ist fertig, wenn es vorüber ist, es ist lediglich vorbei,
alles ist in bewegung…

Für einen Zeitraumvon zwei Jahren ist Haus1 Farbklangkörper für ein Projekt der Künstlerin Friederike Tebbe. chromachronologisch ist eine Komposition von 10 Farbtönen – als zehn Fassadenanstriche im Wechsel über einen Zeitraumvon 2 Jahren – die als Abfolge in einem gedehnten Rhythmus ihre Wirkung entfaltet, wie die Klangfolge eines Musikstückes.

Anders als etwa bei einer Tonfolge jedoch, ist hier die Abfolge derart gedehnt, dass die vorangegangenen Farben in der Erinnerung verbleiben. Wie bzw. woran macht man diese Erinnerung, diesen Eindruck von Farbe fest? Wie sehen wir die hellblaue Fassade anders als die rote zuvor: Licht, Wechsel der Jahreszeiten, individuelle Disposition?

Was neben der Erinnerung an einen Farbton bleibt ist jeweils ein kleines Farbfeld an der Wand in Haus1, dort bildet sich die gesamte Komposition langsam chronologisch ab. Zeitgleich mit jedem Farbwechsel erscheint eine Postkarte mit der entsprechenden Farbe in Druckversion. Die Karte, das Farbfeld und die Fotografien des Hauses sind die einzigen verbleibenden Zeugnisse dieses Farbauftritts. In gebundener Form sind sie die einzige Möglichkeit, sich das Werk als komprimierten Farbrhythmus vorzuführen. Diese Versatzstücke und die Erinnerung bilden derart den Nachhall der Originalkomposition.

Die Farbauswahl ist spontan, sie folgt keinem vorab entwickelten Konzept, sondern wird kurz vor Wechsel erst entschieden und ist damit unmittelbarer Bestandteil der Farbentwicklung und ihrer Abwicklung ….“. Erst nach Abschluss der Laufzeit ist die Komposition und damit das Werk vollendet, in eben dem Moment, indem es vorüber ist, ganz wie in der Musik auch. chromachronologisch.

Ähnlich wie in der Installation “62m” in der Arena 2004 führt Tebbe damit die Farbe erneut als nur in der Abwicklung, also in der Zeit lesbar, vor und führt so die synästhetische Nähe zur Tonabfolge, zur Musik, vor. Hier wie da ist der Farb/Klang-Eindruck Erinnerung und über diese erst ergibt sich ein Gesamtbild.